Experten: Türkei-Beitritt wird Vorurteile korrigieren


Gefahr vom Bosporus? Ein türkischer Junge mit deutschen und türkischen Flaggen in Berlin (Foto: dpa)
Gefahr vom Bosporus? Ein türkischer Junge mit deutschen und türkischen Flaggen in Berlin (Foto: dpa)
"Der Türke, der Europa und die Christenheit bedroht, ist hierzulande immer noch in den Köpfen", glaubt Yunus Ulusoy, 40, vom Zentrum für Türkeistudien in Essen. Gerade im Zuge der Diskussion um den EU-Beitritt der Türkei würden solche Klischees von Beitrittsgegnern wieder aktualisiert. Eine Aufnahme in die Europäische Union könnte das Schwarzweißbild vieler Deutschen aber korrigieren, sagen manche Experten voraus.

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Türkei-Bild der Deutschen änderte sich mehrfach
"Auch die Einstellung der Deutschen zu anderen Nationen, etwa den Griechen, hat sich durch die Aufnahme in die EU verbessert", argumentiert der Kulturwissenschaftler Werner Schiffauer von der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder. "Die politische Konstellation verändert immer auch die Wahrnehmung der Bevölkerung." Die Türkei ist dafür ein gutes Beispiel. Denn das Bild der Deutschen von dem Land änderte sich schon häufig im Lauf der Geschichte.

"So wahrgenommen wie heute Japan"
"Zu Zeiten des Wilhelminischen Kaiserreichs wurde das mächtige Osmanische Reich so wahrgenommen wie heute vielleicht Japan", weiß Schiffauer. Wer in der Weltpolitik das Sagen habe, gelte auch für die Bevölkerung als interessant. So gab es im 19. Jahrhundert einen regen Austausch zwischen den intellektuellen Eliten beider Reiche. Nach dem Ersten Weltkrieg allerdings verschwand das Land für Jahrzehnte aus dem Blickfeld der Deutschen: "In den 50er und 60er Jahren war die Türkei sehr weit weg."

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